Besser studieren ohne Umfragen

In der Hochschulpolitik legt die aktuelle Landesregierung einen ziemlichen Aktionismus zu Tage. Die Studienbeiträge wurden abgeschaff t und die Ersatzmittel so berechnet, dass Doppelabiturjahrgänge und die Aussetzung der Wehrpflicht nicht berücksichtig werden. Zudem erhalten die „Ersatz“mittel alle NRW-Hochschulen, ob sie zuvor Studienbeiträge erhoben haben, oder nicht. Die RWTH, wie auch andere Hochschule, werden mit weniger Mitteln für den Lehrebereich zu rechnen haben.


Der nächste Streich ist die Novellierung des Hochschulfreiheitsgesetzes. Das Gesetz, das Schwachstellen in der studentischen Mitbestimmung aufweist, die es zu korrigieren gilt, schuf aber vor allem Hochschulen, die nicht mehr am Gängelband der Landesregierung hingen. Wie die Novellierung von statten gehen soll, zeigt nun die Umfrage „besser studieren“. Am Montag verschickte das Studierendensekretariat an alle Studierenden im „Auftrage des Ministeriums für Innovation, Wissenschaft und Forschung“ eine Mail mit dem Link zur Umfrage. Wir stellen uns dabei die Frage, ob dies der erste Schritt, oder besser gesagt Rückschritt, im Novellierungsprozess ist. Nicht mehr der Rektor entscheidet, was versendet wird, sondern das Ministerium, das eigentlich nur noch die Rechtsaufsicht darstellen sollte.

Die Umfrage selbst erscheint zudem höchst fragwürdig. Fünf (bzw. bei Bachelorstudenten sechs) Fragen reichen dem Ministerium aus, um zu wissen, wie sehr ihr mit dem Studium zufrieden seid und was verbessert werden muss. Vielleicht sollten die Hochschulen dem Ministerium einfach mal die Auswertungen aus dem Evaluationsfragebögen zukommen lassen. Diese sind, im Gegensatz zu dieser Umfrage, ausführlicher und wesentlich repräsentativer. Wir ho ffen, dass diese teuere Umfrageaktion eine Ausnahme bleibt und Hochschulpolitik sich demnächst wieder an Realitäten orientiert und nicht an nicht-repräsentativen Umfragen.

Erschienen in den 90 Sekunden des Allgemeinen Studierendenausschusses der RWTH vom 1. November 2011

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